„Sehr geehrter Herr Sabisch, Leiter der VHS in Wilhelmshaven“ – offener Brief

Sehr geehrter Herr Sabisch,

ein wenig bin ich irritiert.

In der Wilhelmshavener Zeitung von Freitag, dem 23.3.2018 lese ich auf Seite 7, dass in den Räumen der VHS ein Vortrag des FAZ-Redakteurs Herrn Justus Bender mit dem Titel und Thema „Die AfD sieht sich selbst als Anti-68er“, Untertitel „Politik – Der FAZ-Redakteur Justus Bender referiert am 5. April zu seinem Buch: „Was will die AfD?”“ gehalten wird.

Da ich selbst bereits die VHS wegen eines Englisch-Kurses besucht habe, hatte ich mich damals auch in die Adressliste des Newsletters aufnehmen lassen.

Am Samstag, den 24.3. habe ich nun die neueste Ausgabe dieses Newsletters erhalten. Betreff-Zeile: VHS-Newsletter April 2018: Bildung digital. Das hat mich dann an den WZ-Artikel erinnert und ich dachte mir: Schau doch mal.
Dort finde ich in der Rubrik „Politik“ den Titel und Vortrag „Was will die AfD? Eine Partei verändert Deutschland„ , dass dieser Vortrag am 5.4. in Ihrem Hause, über den auch die WZ am 23.3. berichtete und dieser Vortag beworben wurde, gehalten wird.
Also ich kann es nicht anders werten: Das ist eindeutig ein politischer Vortrag, unbeachtet der Tatsache, dass allseits bekannt sein dürfte, welcher politischen Linie sich Herr Bender zugeordnet fühlt.
Somit dürfte auch klar sein, dass dies sehr wahrscheinlich kein objektiver Vortrag werden wird. Dies ist auch völlig in Ordnung. Es darf ja jeder seine Meinung sagen.

Doch ist dies wirklich so? Warum bin ich irritiert?

Nun, ich bin selbst seit letztem Jahr Mitglied in der AfD, nachdem ich rund 50 Jahre SPD gewählt habe. Es gibt m.E. viele und gute Gründe für den Eintritt in diese Partei, die ich hier und jetzt aber nicht im Einzelnen darlegen kann und will.

Wir suchten für eine Veranstaltung mit dem Thema „Pflegekammergesetz“ Veranstaltungsräume in Wilhelmshaven, also ein eher unpolitisches, soziales Thema, was den Menschen in unserer Region gewidmet war.

Die Anfrage per Mail mit der Betreff-Zeile „Öffentliche Veranstaltung mit dem MdL Stefan Bothe zum Thema “Pflegekammergesetz” am 12. März 2018 um 19:00 Uhr in Wilhelmshaven“ wurde Ihnen durch die AfD-Fraktion Wilhelmshaven zugestellt.

Ihre persönliche Antwort darauf war „ …da wir überparteilich arbeiten stellen wir einzelnen Parteien unsere Räumlichkeiten nicht zur Verfügung.“

Die Mail in Ihrem kompletten Wortlaut liegt mir vor, da ich auf dem Verteiler war.

Möglicherweise können Sie meine Irritation nun nachvollziehen.
Die eine Veranstaltung „Was will die AfD?”, schon der Titel sagt eindeutig, hier ist Politik im Spiel und wird durch einen m.E. parteiischen Journalisten vorgetragen. Diese wird zugelassen unter der Überschrift „Politische Bildung“.
Die andere Veranstaltung wird von einem AfD-Politiker des Rates der Stadt mit einem mehrheitlich unpolitischen Thema, das die Menschen im Pflegebereich adressiert, also mit einem hochaktuellen Thema, das natürlich am Ende in die Politik hineinragt, wird abgelehnt. Weil Sie, die VHS Ihre Räumlichkeiten keinen einzelnen Parteien zur Verfügung stellen wollen/dürfen… Das Thema ist eindeutig parteiübergreifend und wir wollten unsere Lösungsansätze skizzieren. Dazu kommt, dass wir ALLE (hoffentlich) alt werden und potentiell pflegebedürftig werden können.

Ich habe persönlich Räumlichkeiten in Wilhelmshaven gesucht. Es ist sehr schwer, welche zu finden. Die Gründe dafür dürften Ihnen aus den Medien hinreichend bekannt sein. Und es liegt sicherlich nicht daran, was ICH für ein schlimmer Mensch bin.
DAS ist einer der Gründe, warum ich in die AfD eingetreten bin.

Es ist Ihre Entscheidung, Herr Sabisch. Hilfreich und im Sinne von Vielfalt, Toleranz und Weltoffenheit finde ich diese nicht.

Mit freundlichen Grüßen,

Joachim Göllen

 

P.S.
Das vorher Geschriebene ist meine private Meinung. Ich bin aber sicher, dass die AfD lernfähig ist und sich in Zukunft an Ihre Auswahlkriterien anzupassen weiß.
Ich habe mir gerade auch aus dem Internet Ihre Statuten wie  die Gesellschafterversammlung, Beirat, Aufgaben, etc. heruntergeladen. Man könnte zu der Auffassung gelangen, dass die VHS parteiisch ist.  Man könnte denken: Da weiß man, woher der Wind weht…
Sofern Sie Interesse an einem Gespräch mit dem Vorstand des Kreisverbandes haben, bin ich abermals sicher, dass Ihnen dieser zur offenen Diskussion gerne zur Verfügung steht. Das Gleiche gilt auch für mich persönlich.

Ich bin allerdings hoffnungslos, ohne Ihnen vorgreifen zu wollen.